Gibt es einen gesetzlichen Anspruch?
Bekommt man Sonderurlaub bei einem Umzug? Ein Gesetz, das ausdrücklich freie Tage für den Umzug vorsieht, gibt es nicht. Häufig genannt wird § 616 BGB. Danach behältst du deinen Lohn, wenn du für eine verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit ohne Verschulden aus einem in deiner Person liegenden Grund an der Arbeit gehindert bist1.
Ob ein privater Umzug darunter fällt, ist umstritten. Ein Umzug lässt sich meist planen und auf ein Wochenende oder einen Urlaubstag legen. Zudem kann § 616 BGB durch Arbeits- oder Tarifvertrag eingeschränkt oder ganz ausgeschlossen werden. Verlass dich deshalb nicht darauf, sondern prüfe zuerst deine Vertragsunterlagen.
Tarifvertrag und öffentlicher Dienst
Viele Tarifverträge regeln abschließend, für welche Anlässe es bezahlte Freistellung gibt. Ein Beispiel ist der Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst der Länder: § 29 TV-L zählt die Anlässe auf, die als Fälle nach § 616 BGB gelten2.
Anlass nach § 29 TV-L | Freistellung |
|---|---|
Umzug aus dienstlichem oder betrieblichem Grund an einen anderen Ort | ein Arbeitstag |
Privater Umzug | nicht als Anlass genannt |
Sonstige dringende Fälle | bis zu drei Arbeitstage nach Ermessen des Arbeitgebers |
Wichtig: Der Umzugstag nach TV-L setzt einen dienstlichen oder betrieblichen Grund und einen Ortswechsel voraus. Für einen rein privaten Umzug in derselben Stadt sieht die Vorschrift keine Freistellung vor2. Auch der TVöD für Bund und Kommunen enthält in § 29 eine Regelung zur Arbeitsbefreiung; prüfe die für dich geltende Fassung. In der Privatwirtschaft hängt alles vom jeweiligen Tarifvertrag ab.
Beruflicher Umzug
Ziehst du um, weil dein Arbeitgeber dich versetzt oder du eine neue Stelle antrittst, stehen die Chancen besser. Neben tariflichen Regeln lohnt sich der Blick in Arbeitsvertrag, Versetzungsschreiben und Betriebsvereinbarungen. Manche Arbeitgeber gewähren freiwillig einen oder mehrere freie Tage oder übernehmen Umzugskosten.
Für die Steuer gilt: Kosten eines beruflich veranlassten Umzugs können als Werbungskosten abziehbar sein. Mehr dazu erklärt der Ratgeber zu Werbungskosten.
Urlaub bei Umzug: Alternativen ohne Sonderurlaub
Gibt es keinen Anspruch auf Sonderurlaub, bleiben dir mehrere Wege. Der naheliegendste ist ein regulärer Urlaubstag aus deinem Jahresurlaub. Wer Gleitzeit oder ein Arbeitszeitkonto hat, kann Überstunden abbauen. Manche Arbeitgeber erlauben auch, an einem Umzugstag mobil zu arbeiten, wenn die eigentliche Schlepparbeit von einem Umzugsunternehmen erledigt wird.
Der TV-L sieht außerdem vor, dass der Arbeitgeber in begründeten Fällen kurzfristig Arbeitsbefreiung ohne Entgelt gewähren kann, wenn die dienstlichen Verhältnisse es zulassen2. Auch außerhalb des öffentlichen Dienstes ist unbezahlte Freistellung eine Frage der Absprache. Halte jede Vereinbarung schriftlich fest, damit es später keinen Streit über Fehlzeiten gibt.
So beantragst du freie Tage
Prüfe Arbeitsvertrag, Tarifvertrag und Betriebsvereinbarung auf eine Regel zur Arbeitsbefreiung.
Sprich frühzeitig mit deiner Führungskraft und beantrage schriftlich einen konkreten Tag.
Nenne den Anlass und gegebenenfalls die Rechtsgrundlage, etwa § 29 TV-L.
Gibt es keinen Anspruch, beantrage regulären Urlaub, Überstundenabbau oder unbezahlte Freistellung.
Nimm nicht eigenmächtig frei, solange keine Zusage vorliegt. Plane den Umzugstermin früh, damit Urlaub, Halteverbotszone und Helfer zusammenpassen; die Umzugscheckliste hilft dabei.
Stand: 6. November 2026.









